Spermauntersuchung beim Malaienbären im
Allwetterzoo Münster
Im Dezember 2004 starb die letzte Malaienbärin im münsterschen Zoo an Krebs.
Seitdem lebt der vor gut 18 Jahren in Miami/Florida geborene Mann "Klaus"
allein. Er soll möglichst bald wieder eine Partnerin erhalten, doch vorher
wollte man feststellen, ob er sich überhaupt zur Zucht eignet. Malaienbären
sind extrem von der Ausrottung bedroht, pflanzen sich aber in Zoologischen
Gärten leider nur sehr selten fort. In Münster gab es in mehr als 30 Jahren
nur zwei Geburten, allerdings war nicht der erst 1993 über Dresden nach
Münster gekommene "Klaus" Vater der beiden Jungen. Um Klarheit über die
Fortpflanzungsfähigkeit des Bären zu erhalten, bat der Zoo Spezialisten um
eine eingehende Untersuchung. Die Wissenschaftler des Berliner Instituts für
Zoo- und Wildtierforschung erklärten sich sofort bereit, denn sie
beschäftigen sich seit Längerem mit dem Thema Fortpflanzungsstörungen bei
Malaienbären.
Die Berliner Team um Dr. Frank Göritz, Dr. Thomas Hildebrand und Dr. Robert
Hermes begann am Mittwoch (10.8.) um 8 Uhr früh im Allwetterzoo mit ihrer
Arbeit. Der Malaienbär wurde von Zootierarzt Dr. Karl Schaller narkotisiert.
Als er schlief, wurde zuerst der Darm des Bären entleert; dann wurde "Klaus"
mittels Tragetuch auf den Untersuchungstisch gehoben. Dem eigentlichen
Anlass voraus gingen allgemeine Ultraschall-Untersuchungen der inneren
Organe, z.B. von Nieren, Lunge und Herz. Während die Berliner Spezialisten
mit dem Ultraschalladapter am Hinterteil des Bären beschäftigt waren, nutzte
Dr. Schaller die Chance, dessen Gebiss zu kontrollieren, Blut für
Untersuchungszwecke zu entnehmen und einen Mikrochip zu setzen, über den
"Klaus" unverwechselbar zu identifizieren ist.
Für die äußere Ultraschalluntersuchung rasierte man "Klaus" an einigen
Stellen. Kahlgeschoren wurden auch seine dicht behaarten äußeren
Geschlechtsorgane, die außerdem exakt vermessen wurden. Das Bärenfell hätte
die Ultraschallbilder verfälscht, aber es wächst ja nach. Zu guter Letzt
stimulierten die Wissenschaftler den schlafenden Bären rektal mit einem
Elektroejakulator, halfen mit der Hand nach und fingen seinen Samen
schließlich im Reagenzglas auf. Dann wurde der
Malaienbär noch gewogen - "Klaus" ist 78 kg schwer -, und zurück in sein
Gehege gebracht. Dr. Schaller spritzte ein Mittel, um ihn schneller aus der
Narkose erwachen zu lassen.
Die sofortige Untersuchung des Ejakulats
ergab, dass "Klaus" vermutlich nicht fortpflanzungsfähig ist, Anzahl und
Vitalität seiner Spermien müssten deutlich größer sein.